Die hannoversche Theatergruppe Commedia Futura hat eine neue künstlerische Leitung. Oliver Dressel löst Wolfgang A. Piontek ab, der 1982 die Commedia Futura gründete. Doch Piontek hat die erste Inszenierung in der Verantwortung von Dressel noch eng begleitet und für die Dramatisierung der Tanztheaterproduktion gesorgt. Gleichzeitig distanziert er sich mit Freude von der Inszenierung, vielleicht war es aber auch nur Provokation: Im Vestibül der Eisfabrik verkündete er dem auf Einlass wartenden Publikum „Genießen sie die Ruhe, gleich wird es sehr laut“und dann folgte etwas süffisant „Versuchen Sie das Stück nicht zu verstehen, es ist nicht zu verstehen“.
Mit „Gods – Dreams, Desires & Destructions“wagt sich Dressel in die Welt der Götter, forscht nach deren Träumen, Sehnsüchten und auch nach deren Zerstörungswille. Das inszeniert Dressel in neun Etappen. In einer Stunde wird aus einer höllisch verräucherten Welt eine neue, eine bessere Welt zu erschaffen versucht.
Commedia Futura: Starke Szenen in der Eisfabrik
Es beginnt ganz traditionell mit „Am Anfang war das Ende“und schließt wenig überraschend mit „Das Ende ist der Anfang“. Dazwischen werden Gebote erlassen, es wird gepredigt und es gibt viele Momente der Ekstase. Alles wird von Emre Kesim am Keyboard und mit seiner Stimme begleitet. Er schafft einen Soundraum, der ihn zum gleichberechtigt vierten Akteur neben den Tanzenden Oliver Dressel, Ferenc Fehér und Bettina Paletta werden lässt. Seine Weltreise der Geräusche und Sounds umfasst überwältigend laute Rhythmen und musikalische Zitate aus vielen Kulturräumen.
Die Choreografie übersetzt diese Weltreise mit vielen überraschenden und überzeugenden Szenen, die immer mal wieder mit schwächeren Szenen wechseln. Doch allein für den Moment, in dem Fehér die Situation des Geborenwerdens auf die spärlich möblierte Bühne bringt, ist großartig. Seine getanzte Darstellung des In-die-Welt-geworfen-Seins, die ersten Versuche, den Körper auszuprobieren, die Hilflosigkeit eines Wesens, das noch nicht aufstehen kann, genau das aber unbedingt muss, ist allein schon einen Besuch wert.
Dass aus dem anspruchsvollen Titel dann doch keine durchgängig überzeugende Geschichte wird, gerät darüber schon fast in Vergessenheit. Oder es ist einfach genau das, worauf der scheidende Chef der Commedia Futura am Anfang entschuldigend hinweisen wollte.
Wieder am 21. und 22. November in der Eisfabrik Hannover (Seilerstraße 15F).

